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Sächsische Zeitung
Weiße Esel machen Karriere

Heike und Ralf Wulke teilen ihren Bauernhof mit der preisgekrönten Sunny und deren Fohlen Sunshine
Von Carmen Schumann


Sunny ist ein schönes Tier. Eine schneeweiße Eselin trifft man nicht alle Tage. Dabei sind ihre Eltern "stinknormale" Grautiere. Natürlich ist Sunny der ganze Stolz von Heike und Ralf Wulke. Nun erst recht, nachdem die Schöne zusammen mit ihrer Tochter Sunshine eine echte "Miss" geworden ist. Bei der "Mis(s)ter Esel-Wahl" im Görlitzer Tierpark Ende September eroberten die beiden das Herz des über 1 000-köpfigen Publikums im Sturm, sie konnten aber auch die Fach-Jury überzeugen. Auch Sunshine, das erst 13 Wochen alte Fohlen, hat die weiße Fellfarbe seiner Mutter geerbt.

Natürlich sind die Wulkes keine Müller, die die Esel zum Säcke-Schleppen halten. Diese Zeiten sind längst vorbei und werden höchstens noch in alten Märchen lebendig. Wulkes sind nicht einmal "richtige" Landleute. Für sie stand nur fest: "Eine Reihenhaussiedlung ist nichts für uns!" Tiere zu halten war ihnen dagegen sehr wichtig. So kaufte das Ehepaar, das früher im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen lebte, 1997 in Nechern das Bauerngehöft neben dem Martin Nowak-Neumann-Museum und baute es aus. Seitdem leben die verschiedensten Tiere bei Heike und Ralf Wulke; nach Hängebauchschweinen und Ziegen nun eben die Esel.

Die Mär, Esel seien dumm und störrisch, führt Ralf Wulke ad absurdum. "Die Tiere sind überaus lernfähig." Das, was man ihnen als Störrischkeit nachsagt, sei eher Vorsicht und die Scheu vor Unbekanntem. "Sunny hat gelernt, dass sie uns vertrauen kann." Inzwischen zieht sie auch eine kleine Kutsche, Marke "Eigenbau". "Eine Kutschpartie über die Wanderwege entlang der Teiche ist einfach traumhaft", schwärmt Ralf Wulke von seiner liebsten Wochenendbeschäftigung. Tochter Jeannett, heute 15, hat die Eselin eingeritten, wovon jetzt auch die Ferienkinder profitieren, die bei Nachbars Urlaub auf dem Bauernhof machen. Sunny hat sich auch schon beim Festumzug zur Bautzener 1 000-Jahr-Feier einen Namen gemacht. Im Handwerkerbild musste sie zwischen zwei großen Lkws laufen, was gar nicht so einfach für sie war. Dort stellte sie tatsächlich einen Müller-Esel dar.

In ihrer Ernährung sind die Esel nicht sehr anspruchsvoll. Im Sommer leben sie auf der Weide, im Winter von Heu, Stroh und ein paar Rüben. Der Stall muss jedoch zugfrei und trocken sein. "Nässe von unten ist Gift für die Tiere", erklärt Ralf Wulke, der bei der Gaso als Außendienstmitarbeiter arbeitet.

Esel gehören sicher nicht mehr zum alltäglichen Bild in unseren Dörfern. Gerade darum liegt es dem Ehepaar Wulke am Herzen, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Die elf Teilnehmer an der Görlitzer Miss-Wahl haben einander dort schon ein bisschen kennen gelernt. Doch schätzungsweise gibt es in Ostsachsen insgesamt mindestens 25 Eselhalter.

Zusammen mit der Familie Härting aus Cosul bei Großpostwitz und der Familie Herrmann vom Eselhof Deutsch-Paulsdorf bei Markersdorf haben die Wulkes ein erstes Treffen vorbereitet, das am 7. November ab 19 Uhr in der Gaststätte "Zur Linde" in Cosul stattfinden soll. Dazu sind nicht nur Eselhalter und -freunde eingeladen, sondern unter anderem auch Tierärzte und Hufschmiede. Die Organisatoren erhoffen sich einen regen Erfahrungsaustausch rund um Haltung und Pflege der Grautiere. Gemeinsame Unternehmungen mit den Tieren könnten folgen.

Interessenten für den Esel-FreundeTreff sollten sich telefonisch beim Eselhof Deutsch-Paulsdorf, (035829) 6 01 81, oder bei Familie Wulke, (0171) 8 71 78 73, anmelden. Anregungen und Fragen kann man auch unter www.eselhof-nechern.de loswerden.