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Sächsische Zeitung vom 29.9.2003
Elf Esel entern den Laufsteg

Schönheitswettbewerb führt Lausitzer Grautiere in Görlitz zusammen / Jury und Publikum haben Qual der Wahl

Mensch und Tier auf dem Laufsteg - da machten oft beide eine gute Figur. Pedro hatte viel zu tragen . Hat Lisa vielleicht ihren Sunny gedopt ? Sunny jedenfalls landete auf dem Siegertreppchen ganz oben. Jurymitglied und Profi-Müller Dietmar Dörfer testete die Grauohren auf müllerische Belastbarkeit.

Der schönste Esel ist gestern im Görlitzer Tierpark gewählt worden. Eine Jury und das Publikum stimmten zu gleichen Teilen über Mis(s)ter Esel ab.

In der Kuhkoppel steigt das Herzklopfen. Denn mit Inka, Pedro, Milwa und Co. nehmen in wenigen Minuten gleich elf Tiere an der Lausitzer Esel-Mis(s)ter-Wahl teil. Kritisch beäugen sie die Konkurenz nebenan. Schnell noch einen Schluck Wasser aus dem Eimer oder eine Striegel-Massage von Frauchen, bis der erste Kandidat auf den sandigen Laufsteg gerufen wird. Das Areal befindet sich 100 Meter unterhalb der Koppel, im Kamel-Führring des Görlitzer Tierparks.

Dort eröffnen 15 als Esel verkleidete Mädchen der Kindertanzschule Matzke den Schönheitswettbewerb mit einem Tanz. Die Steppkes sind kaum größer als der leibhaftige Zwergesel in ihrer Mitte. Anschließend trabt mit Hannibal aus Markersdorf bereits der erste Wahl-Teilnehmer in die kleine Arena.

Wie die fünf Eselinnen und fünf Esel nach ihm stellt er sich rundendrehend den gestrengen Augen der prominenten Jury. Das Septett bewertet Konstitution (Brustumfang, Fellfarbe, Ohrform et cetera) und Verhalten (Gemütsart, "besondere Eseleien") - und vergibt dafür A- und B-Note. Auch für die Anzahl der I-ah-Wiederholungen gibt es Punkte. Die etwa 500 zweibeinigen Besucher der Beauty-Konkurrenz haben schon vor der Wahl über ihren Favoriten abgestimmt. Deren Stimme geht zur Hälfte in die Wertung ein.

Störrisch, wie ein Esel nun mal ist, präsentiert sich Kandidat Poldy aus Reichenbach. Der Halstuchträger will zunächst partout nicht im Kreis laufen, auch wenn er freundlich darum gebeten wird. In der Jury sitzt an diesem Tag auch ein Müller. Schließlich hält der Görlitzer Vierradenmühlen-Chef Dietmar Dörfer Ausschau nach einem geeigneten Lastentier für seine Mehlsäcke, äh: Bierfässer. Mit Benjamin kann er diesbezüglich zufrieden sein: Der Esel schultert eine herbeigeschaffte Zehn-Kilo-Last ohne Probleme. Kandidat vier, Max aus Markersdorf, missachtet die Jury allerdings und pinkelt mitten auf den Laufsteg. Danach haben Kurt Hoppe aus Diehsa und sein Großesel Malu ihren Auftritt. Sie spielen "Knüppel aus dem Sack" und "Tischlein, deck' dich". Die märchenhafte Anschauung dankt das Publikum mit Beifall. Jurorin Elke Weinig von der Sparkasse verteilt gar Höchstnote 6. Kein Wunder, denn einen Dukaten spuckenden Esel kann jede Bank gut gebrauchen.

Im Hintergrund hebt jedoch sofort das lautstarke "I-ah" der anderen Grautiere an. Allerdings nicht aus Protest gegen die Wertung, denn Esel drücken auf diese Weise ihre Zufriedenheit aus.

Tier um Tier marschiert vor den Tisch der Jury, begleitet von Kinderliedern wie "Der Kuckuck und der Esel" und dem rhythmischen Klatschen des Publikums. Axel Geide verteilt Mohrrüben an die vierbeinigen Hauptdarsteller und wirft dabei - ganz Ohrenarzt - einen prüfenden Blick auf und in deren lange Lauscher. Oberbürgermeister Rolf Karbaum misst bei einem Bewerber sogar die Länge der Ohren. Kinderaugen leuchten, Erwachsene lachen über die tierisch-menschlichen Anspielungen des Moderatoren-Duos Axel Krüger/Matthias Barth ("Das Graue ist der Esel!").

Aber auch manch Huftier-Besitzer hat sich einen Spaß ausgedacht: So will Familie Zachmann die Jury mit Schokotalern bestechen, als Schützling Elsa zeitgleich sein Schaulaufen veranstaltet. Doch den Kameras von MDR und Sat.1 entgeht nichts. Die Nadebors aus Krauschwitz führen danach ihren Liebling "Dada" herein. In Wildwest-Manier ist das Tier mit einem Lasso behangen. Stunden vor seinem großen Auftritt wurde es noch mit reichlich Shampoo eingeseift. Nachher warten zur Belohnung Rüben, Trockenbrot und vielleicht sogar ein Stück Würfelzucker.

Den Sieg trägt allerdings die weiße Eselin Sunny aus Nechern bei Weißenberg davon. Nebenher trottet Töchterchen Sunshine - und obenauf sitzt Klein-Lisa aus der Nachbarschaft. Den Sonnenblumen geschmückten Tieren kann man nun sogar per E-Mail gratulieren, denn die beiden haben eine eigene Adresse. Allerdings besteht kein Anspruch aufs Antwortbekommen. Einer ist eben immer der Esel.

Von Matthias Nicko