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Sächsische Zeitung/23.04.2007
Die Noteselhilfe sucht noch Pflegestellen
von Kerstin Fiedler
Den deutschlandweiten Verein gibt es jetzt ein Jahr. Die Chefin, Heike Wulke aus Nechern, will helfen und aufklären.
Manika ist bereits 16 Jahre. Sie ist ein Großesel und bezog vor gut einer Woche ihr neues Quartier auf dem Eselhof in Nechern. Die Eselin hat eine weite Reise hinter sich, denn bisher stand sie in einer Pferdeherde in Osnabrück. Ihre Besitzerin wandte sich vorigen Sommer an die Noteselhilfe. Sie wollte jemanden für Manika finden, der auch einen Esel hat und Manika zu sich nimmt. Doch das hat nicht geklappt. Das große Problem ist, dass die Besitzerin in Berlin studiert.
Manika bleibt vorerst hier
"In der Pferdeherde war Manika Außenseiter. Esel sind nun einmal von Pferden sehr verschieden", erklärt Heike Wulke. "Wenn man Esel und Pferde zusammenstellt ist das so, als ob vom Menschen verlangt wird, er soll mit einem Schimpansen zusammenleben", vergleicht Heike Wulke. Um der Eselfreundin zu helfen, holte sie das Tier nach Nechern. Bis die Studentin fertig ist, weiß, wo sie arbeitet und ob sie das Tier artgerecht halten kann, bleibt Manika in Sachsen.
Der Großesel aus Osnabrück ist nur ein Beispiel dessen, was der Verein Noteselhilfe leisten kann. Aus den elf Gründungsmitgliedern im vergangenen Jahr sind mittlerweile 44 geworden. Deutschlandweit wohlgemerkt. "Nachholebedarf haben wir noch in Sachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Da fehlen uns Mitglieder und Pflegestellen, die über einen gewissen Zeitraum in Not geratene Tiere aufnehmen können", sagt Heike Wulke. Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. So haben Esel eine Lebenserwartung bis zu 40 Jahren. Oft überleben sie ihre Besitzer. Dann versucht der Verein, die Tiere zu vermitteln. Manchmal müssen die Mitglieder auch ganz schnell reagieren. In Hessen gab es Krach mit den Nachbarn, weil denen die Esel zu laut waren. Die mussten ganz schnell in eine Pflegestelle und wurden von dort aus weitervermittelt.
Auch im Kreis Löbau-Zittau konnte die Noteselhilfe einspringen. Dort wurde ein Esel von einer alten Dame gut versorgt, er hatte aber keinen Stall. Damit der gebaut werden konnte, wurden Holz und Bauhelfer gesucht. Nun hat der Esel nachts ein Dach überm Kopf.
Ein großes Problem hat Heike Wulke derzeit: "Der Esel ist als Geschenk in Mode gekommen. Er ist doch, wenn er klein ist, so niedlich", hört sie immer wieder als Begründung. Doch das ist wie mit allen anderen Tiergeschenken. Wer sich vorher nicht über die Folgen informiert hat und das Tier nicht artgerecht halten kann, sollte dies nicht tun. Schließlich werden Koppel, Heu und Stall benötigt. Außerdem brauchen die Tiere Betreuung und Ausbildung.
Erfahrungsaustausch wichtig
Um diese Kenntnisse und das Wissen zur Eselhaltung weiterzugeben, engagiert sich Heike Wulke nicht nur in der Noteselhilfe. Am Wochenende trafen sich zum Beispiel Eselfreunde in Klitten, wo sie am Sonnabend wanderten und an beiden Tagen Fahr- und Bodenarbeitskurse mit den Tieren absolvierten. "Wir haben voneinander wieder viel gelernt, konnten Wissen weitergeben", sagte Heike Wulke gestern Abend.
Auch Manika wird demnächst dazu lernen. "Sicher werden auf ihr keine Kinder reiten, aber ein wenig Aufbautraining für die Muskeln bekommt sie", sagt Heike Wulke. Vor einen Wagen kann sie auch gespannt werden, das hat sie in ihrer alten Heimat gelernt.
Informieren
Esel sind niedliche Tiere. Zugegeben. Dennoch sind sie als Geschenk ungeeignet. Zu erklären, warum das so ist, ist Heike Wulke aus Nechern angetreten. Vor einem Jahr gründete sie gemeinsam mit elf anderen Eselfreunden den deutschlandweiten Verein Noteselhilfe. Dass dies dringend notwendig war, zeigen die vielen Fälle, um die sich der Verein schon gekümmert hat. Nicht nur, weil ein Geschenk lästig wurde. Wie zum Beispiel bei dem Hochzeitspaar, dem der Esel bald die Haare vom Kopf fraß. Im übertragenen Sinne.
Deshalb sollte sich jeder vorher informieren, ob der Beschenkte überhaupt die Möglichkeiten hat, einen Esel artgerecht zu halten. Als "Rasenmäher" ist er ungeeignet.