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4. OSTSÄCHSISCHES ESELTREFFEN FAND IN RIETSCHEN STATT

Mit Ruhe und Geduld über Hindernisse

Wer kennt sie nicht, die Bilder vom störrischen Esel, der partout nicht macht, was man von ihm will. Stattdessen bricht er in lautes "I-A" - Gebrüll aus und bringt seinen Führer nach und nach dermaßen aus der Fassung, dass auch dieser zu brüllen anfängt.

Viele Besucher ließen es sich nicht nehmen, die Esel zu streicheln und ihnen auch das eine oder andere Leckerli zuzustecken.Die elfjährige Nadine Teichert aus Kreischa (Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge) führte ihre Stute Bela Bibliana sicher über den Parcours.

So weit das Klischee. Die Wahrheit sieht völlig anders aus. Ruhig geht es nämlich zu, selbst dann, wenn sich 37 Esel auf engem Raum treffen. So zumindest spielte sich das Geschehen beim vierten ostsächsischen Eseltreffen am vergangenen Wochenende auf dem Rietschener Erlichthof ab.

"Esel sind sehr ruhige und charakterstarke, dabei auch höchst intelligente Tiere" , weiß Heike Wulke. Und sie muss es wissen - schließlich hält sie bereits seit neun Jahren Esel. Sechs dieser braven grauen Gesellen sind es derzeit, hinzu kommen noch zwei Maultiere, die Heike Wulke und ihre Familie auf dem Eselhof im heimischen Nechern (Stadt Weißenberg, Landkreis Bautzen) liebevoll betreuen.

Familie Wulke war es auch, die vor fünf Jahren die Gründung einer Regionalgruppe der "Interessengemeinschaft Esel- und Mulifreunde Deutschland" initiierte. Seitdem treffen sich die Gleichgesinnten aus ganz Sachsen und Brandenburg regelmäßig einmal im Jahr an wechselnden Orten.

Noch eine weitere wichtige Eigenschaft schreibt Heike Wulke den Eseln zu: "Sie sind die idealen Tiere für Kinder, denn mit ihnen lernen sie Geduld, Zurückhaltung und Respekt vor der Natur."
Wie zum Beispiel Nadine Teichert. Die Elfjährige aus Kreischa (Landkreis Sächsische Schweiz - Ost erzgebirge) wirkt ein wenig aufgeregt, als sie mit ihrer Stute Bela Bibliana den Parcours betritt. Mehrere Hindernisse müssen die Esel in einer Art Gehorsamsprüfung überwinden, die allerdings mehr eine Frage des Vertrauens zu ihrem Führer darstellt. Bela schreitet gelassen über die Holzbohlen, steckt mit ihrer Ruhe und Zuversicht auch die kleine Nadine an.
Diese gewinnt dadurch Sicherheit und führt ihre Eselstute problemlos über die anderen Hindernisse, beispielsweise eine Rückwärts-Geh-Strecke und einen Autoreifen, der durchschritten werden muss.

An diesem Hindernis scheitern viele der Mitbewerber - "ganz einfach weil der Esel nicht einsieht, warum er ausgerechnet da hindurch soll, wenn auch rechts und links genügend Platz ist" , wie der Wettkampfsprecher betont. Und damit kommt eine weitere Eigenheit des Esels zum Vorschein - er hat nämlich, wie es ihm auch der Volksmund zuschreibt, durchaus seinen eigenen Kopf. An dieser Stelle liegt es am Führer, richtig zu reagieren - manch einer würde sicher nach und nach die Geduld verlieren und sein Tier anschreien, wenn nicht gar schlagen. Nicht so jedoch die Teilnehmer am Parcours des ostsächsischen Eseltreffens. Sie wissen, dass von ihnen im Umgang mit den Tieren vor allem eines erwartet wird: Geduld. Und so nehmen sie immer wieder Anlauf, sprechen ruhig auf ihre Esel ein, und beim dritten, vierten Anlauf klappt's dann auch mit dem Reifen. Unterdessen haben sich auch allerhand Zuschauer eingefunden - beispielsweise Jürgen Miersch aus Görlitz. "Ich bin begeistert und auch ein wenig überrascht von der angenehmen, ruhigen Atmosphäre. Ich hätte gedacht, dass es hier wesentlich hektischer zugeht" , bekennt er. Denn: Wer kennt sie nicht, die Bilder vom störrischen Esel . . .

Von Uwe Menschner


Foto: Fotos: Menschner