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Empfehlungen für die Eselhaltung
Einleitung
Gleich zu Anfang ist zu sagen, dass ein Esel weder ein Rasenmäherersatz noch eine reine Gartenzierde ist. Wer Esel halten möchte, muss sich der Verantwortung bewusst sein, die jegliche Haltung von Tieren mit sich bringt. Der Esel ist ein genügsames Tier, aber keineswegs anspruchslos. Damit der Esel gesund und zufrieden leben kann, muss seinen grundsätzlichen Bedürfnissen Rechnung getragen werden.
Betreuung
Der Halter bzw. Betreuer muss die besonderen Bedürfnisse von Eseln kennen, auch hinsichtlich der Unterschiede zwischen Pferden und Eseln. Vor der Anschaffung muss er sich die nötige Sachkunde für die Ernährung und Pflege der Tiere aneignen. Der Halter bzw. Betreuer muss die gesundheitliche Verfassung der Tiere erkennen und die Bedeutung von Verhaltensänderungen verstehen können. Er muss die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um eingetretene Störungen unverzüglich zu beseitigen.
Die Esel müssen regelmäßig gründlich kontrolliert werden, d. h. im Regelfall mindestens zweimal am Tag. Dabei muss sich der Betreuer über den Verfassungszustand jedes einzelnen Tieres informieren.
Wird mit den Eseln gezüchtet, muss entsprechende Sachkenntnis vorhanden sein. Dem Betreuer müssen die Anzeichen einer bevorstehenden Geburt und von Geburtsschwierigkeiten bekannt sein.
Wer Esel hält, der muss auch etwas mit ihnen tun. Es ist nicht artgerecht, Esel ausschließlich sich selbst zu überlassen. Esel können als Reittier, Lasttier und Zugesel oder als Spielgefährte Verwendung finden. Die Beschäftigung mit dem Esel ist für dessen Ausgeglichenheit und für den Sozialkontakt mit dem Menschen nötig. Einen freundlichen Esel, der sich willig führen und behandeln lässt, erhält man nur durch regelmäßiges Training.
Bei Herden, die mehr als drei Tiere umfassen, müssen Aufzeichnungen über die einzelnen Tiere geführt werden. Die Aufzeichnungen sollen Auskunft über Herkunft, Alter, Fütterung, prophylaktische und therapeutische medizinische Maßnahmen sowie Deck- und Geburtstermine geben.
Gruppen- und Einzelhaltung
Die Einzelhaltung von Eseln ist abzulehnen. In Einzelfällen kann der Esel mit anderen geeigneten Tieren zusammen gehalten werden (z.B. Ziege, Pony, Pferd), wenn er auf dieses Begleittier geprägt ist. Der Mensch allein kann dem Esel nicht den Artgenossen ersetzen. Es ist zu beachten, dass Esel kleinere Tiere ernsthaft verletzen können. Den Begleittieren muss also jederzeit eine Ausweichmöglichkeit gegeben werden. Esel, die den arteigenen Herdenverband gewöhnt sind, dürfen nicht in Einzelhaltung mit einem artfremden Begleittier gehalten werden.
Für Jungtiere ist der Kontakt mit artgleichen Gefährten für eine normale Entwicklung unbedingt erforderlich.
Eselhengste sollten nur von erfahrenen Eselhaltern gehalten werden. Erwachsene Eselhengste können durchaus eine Gefahr darstellen. Ob Hengste und Stuten zeitweilig getrennt werden müssen, z.B. zur Zeit der Geburt, ist im Einzelfall zu entscheiden. Im festen Herdenverband mag eine Separierung nicht nötig sein. Ranghohe Hengste können rangniedere Stuten sehr bedrängen, wenn nicht gar angreifen, so dass eine Trennung nötig ist. Bei der Haltung von Hengsten muss jedenfalls jederzeit die räumliche Voraussetzung für eine Separierung vorhanden sein.
Weiterhin muss für kranke Tiere eine getrennte Unterbringungsmöglichkeit vorhanden sein.
Tränkwasserversorgung
Eseln ist mindestens zweimal täglich in ausreichender Menge frisches, sauberes Wasser anzubieten. Ganztägiges Wasserangebot ist vorzuziehen. Die Wasserbehälter oder Tränken müssen täglich gereinigt werden. Beim Einsatz von Selbsttränken und Trögen ist zu bedenken, dass Esel einen ausgeprägten Spielsinn haben und Tränken hierzu nutzen.
Fließende Gewässer auf der Weide müssen sauberes Wasser führen und für die Tiere gut zugänglich sein. Die Zugangsstelle darf nicht morastig sein. Esel, die fließende Gewässer nicht kennen, gewöhnen sich evtl. schwer daran. So ist bei der Einstallung neuer Tiere darauf zu achten, dass sie genug Wasser aufnehmen.
Aus Gründen der Hygiene ist, statt direktem Zugang, die Wasserentnahme aus natürlichen Gewässern mit Hilfe von Weidepumpen in Tränkebecken vorzuziehen.
Fütterung
Für das Wohlbefinden der Tiere ist eine artgemäße Fütterung wichtig. Das Verdauungssystem ist für die optimale Ausnutzung kärglichster Nahrung ausgelegt. Fehlernährung führt zu gesundheitlichen Schäden, wie Stoffwechsel- und Huferkrankungen. In Deutschland leiden Esel weit häufiger an Über- als an Unterernährung. Dem hohen Bedarf an Raufaser und dem Knabberbedürfnis der Esel ist nachzukommen.
Den Tieren muss mindestens zweimal täglich Heu und Stroh vorgelegt werden, wenn sie sich nicht ausschließlich von der Weide ernähren können. Eseln ist ganzjährig Holz in Form von Baumstämmen, Zweigen und Büschen anzubieten.
Kranken und abgemagerten Tieren und allen Eseln im Winter bei Minustemperaturen kann energiereiches Futter wie eingeweichte Rübenschnitzel oder Kraftfutter zugefüttert werden. Ansonsten sollten derartige energiereiche Futtermittel nur in sehr geringen Mengen bzw. im Bedarfsfall werden.
Übergewichtige Esel neigen zu Huf- und Lebererkrankungen. Typische Stellen für Fetteinlagerung sind der Hals, der dann zum Kipphals wird, und die Lendenregion. Weiterhin muss den Tieren ein Mineralleckstein ständig zur Verfügung stehen. Reine Natriumchloridsteine für Pferde sind nicht ausreichend. Geeignet sind Minerallecksteine für Rinder.
Stall
Optimal ist ein allseits geschlossener Stall, der zwei Ein- bzw. Ausgänge hat, die ganzjährig offen gehalten werden können. Der Stall muss zugfrei bzw. winddicht sein, das Dach regendicht.
Die Stallfläche muss so bemessen sein, dass pro Esel mindestens die vierfache Widerristhöhe zum Quadrat als Quadratmeterzahl zur Verfügung steht.
Der Stallboden muss befestigt und desinfizierbar sein. Die eingestreute Liegefläche muss so bemessen sein, dass sich alle Tiere gleichzeitig niederlegen können. Es hat sich bewährt, einen Teil der Stallfläche nicht einzustreuen, da sich die Esel dann dort einen Mistplatz einrichten. Die Liegefläche muss sauber und trocken sein und eine ausreichende Wärmedämmung bieten. Als Einstreu eignen sich Stroh, Rindenmulch, Holzschnitzel oder Sägemehl. Zur Matratzeneinstreu sind nicht alle Materialien geeignet. Stroh eignet sich in der Regel nicht, grobe Holzschnitzel hingegen gut, wenn die Tiere außerhalb der Liegefläche einen Mist- und Urinplatz haben.
Der Stall muss mindestens so hoch sein, dass der größte Esel mit hocherhobenem Kopf nicht anstößt. Im gesamten Bereich der Tiere dürfen keine verletzungsträchtigen Gegenstände vorhanden sein.
Anbindehaltung oder Ständer sind abzulehnen. Offen zugängliche Boxenabteile können angeboten werden.
Vor dem Stall muss eine rutschfeste, staunässenfreie Fläche (z.B. betoniert oder drainiert) in dreifacher Stallflächengröße zur Verfügung stehen. Dadurch haben die Tiere im Winter oder bei langanhaltender schlechter Witterung Auslauffläche.
Für kranke Tiere muss eine separate Unterbringungsmöglichkeit vorhanden sein (z.B. eine Krankenbox).
Weide
Bei reiner Weidehaltung werden pro Esel 0,5 Hektar benötigt, die in mehrere Parzellen eingeteilt werden, um einen Weideumtrieb und eine Restriktion des Futterangebotes zu ermöglichen. Das Futterangebot muss eselgerecht sein (z.B. Gräser mit Distel, Kamille etc.). Saftige Grünwiesen (z.B. Klee) sind für Esel ungeeignet, da die Gefahr der Überfütterung sehr hoch ist. Die unterschiedlichen Futteransprüche von Pferd und Esel sind bei gemeinsamer Weide zu beachten.
Bei Weidehaltung benötigen die Tiere einen Witterungsschutz. Dieser kann eine überbaute Fläche sein oder aus natürlichen Gegebenheiten bestehen. Natürliche Schutzmöglichkeiten (Hecken, Bäume, Büsche, Waldungen u.ä.) müssen ganztätig und ganzjährig wirksam sein, so dass sie bei intensiver Sonneneinstrahlung, jeder Windrichtung, bei Schnee und bei Regen ihre Funktion ausreichend erfüllen. Unbelaubte und einzeln stehende Bäume reichen in der kalten Jahreszeit nicht aus. In der kalten Jahreszeit muss allen Tieren ein trockener, windgeschützter Liegeplatz zur Verfügung stehen. Dieser Regen- und Windschutz muss eine trockene, kälteisolierende Liegefläche haben, die so groß ist, dass sich alle Tiere gleichzeitig niederlegen können.
Bei langanhaltend feuchter Witterung ist zu gewährleisten, dass die Esel trockenen, festen Untergrund begehen können. Dies ist durch Drainage der Weide bzw. Teile davon oder durch Verbringen in den Stall mit festem Vorplatz zu gewährleisten. Schon nach wenigen Tagen auf feuchtem Boden erleiden die Hufe der Esel Schaden. Esel dürfen grundsätzlich nicht auf matschigem Boden stehen.
Zaun
Die Funktionsfähigkeit der Umzäunung ist laufend zu kontrollieren und derart in Stand zu halten, dass keine Verletzungs- oder Ausbruchgefahr für die Tiere gegeben ist.
Stacheldraht ist abzulehnen, da er eine enorme Verletzungsgefahr birgt.
Bewährt haben sich "knabberfeste" Zäune aus verzinktem Rohr oder gut gespannter Maschendraht. Holzzäune bedürfen besonderer Wartung, da Esel sie gerne benagen. Eine Kombination mit Elektrozäunen ist hier sinnvoll.
Ein Elektroweidezaun mit üblicher Stromstärke ist nicht ausreichend. Als alleinige Begrenzung ist ein Elektrozaun dann möglich, wenn die elektrische Energie mind. 6 Joule beträgt. Geeignet ist verzinkte Drahtlitze.
Der Zaun muss mindestens drei Querverläufe haben, wovon die unterste nur so hoch sein darf, dass kein Tier (auch Fohlen) darunter durchschlüpfen kann (ca. Karpalgelenkshöhe).
Pflege, Nutzung und medizinische Versorgung
Tägliche Fellpflege ist nicht zuletzt wegen des Kontaktes zum Menschen empfehlenswert. Bei korrekter Fütterung ist eine spezielle Zahnpflege im allgemeinen nicht nötig. Der Zustand der Zähne sollte dennoch regelmäßig kontrolliert werden.
Durch das feuchte Klima in Deutschland ist eine besondere Pflege der Hufe nötig. Die Hufe sollen täglich kontrolliert und gereinigt werden. Ständige Feuchtigkeit ist der Hufgesundheit abträglich. Matsch, Kot und Steine dürfen nicht im Huf verbleiben. Faule Stellen müssen sofort behandelt werden. Zur Verhinderung von Schäden ist das Hufwachstum regelmäßig durch eine sachkundige Person zu korrigieren (in der Regel alle 6 bis 8 Wochen, wenn sich die Hufe nicht durch Arbeit auf harten Böden abnutzen). Die Hufstellung beim Esel ist im allgemeinen steiler als beim Pferd, was bei der Korrektur durch den Schmied beachtet werden muss.
Die Esel sind regelmäßig zu entwurmen (zweimal jährlich), Jungtiere bis zu einem halben Jahr werden alle vier Wochen entwurmt. Andere Parasiten sind ggf. zu bekämpfen (z.B. Haarlinge, Milben).
Esel sollten gegen Tetanus und Tollwut geimpft werden. Weitere Impfungen sind vom Infektionsdruck oder der Nutzung abhängig (z.B. Influenza). Eselfohlen sollten vorsorglich nach der Geburt eine Passivimmunisierung gegen Tetanus erhalten.
Esel dürfen frühestens mit fünf Jahren eingeritten oder mit vier Jahreneingefahren werden. Die Tiere dürfen nur entsprechend ihrer Größe und Konstitution genutzt werden. Nur gesunde Esel mit geraden Rücken dürfen geritten werden. (Empfehlung: Last max. 1/5 bis 1/6 des Eseleigengewichtes) Esel mit Senkrücken dürfen weder geritten noch gefahren werden. Tiere mit Huferkrankungen dürfen nur bedingt genutzt werden.
Da Eselhengste schwer zu halten sind, werden Hengstfohlen in der Regel kastriert. Dies kann mit einem halben Jahr geschehen, jedenfalls aber vor Erreichen der Geschlechtsreife. Spätkastrierte Esel können ihr Hengstverhalten beibehalten.
Stuten sollten nur alle zwei Jahre belegt werden. Die Tragzeit variiert zwischen 11,5 und 13 Monaten, Tragzeiten von 15 Monaten sind möglich. Fohlen werden frühestens mit einem halben Jahr abgesetzt. Besser ist es, sie bis zum 9. Lebensmonat bei der Mutter zu lassen, aber zur Schonung der Stute nicht länger als ein Jahr.
Bei Störungen des Allgemeinbefindens sind umgehend helfende Maßnahmen zu ergreifen und gegebenenfalls ein Tierarzt zu konsultieren.